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Sagenhafte Donaulachse. Die Geschichte des Huchenangelns

Die wenigsten Angler haben je einen Huchen mit eigenen Augen gesehen und fast keiner einen gefangen. Das war schon immer so.

Er ist, wie der Hecht, ein Erzräuber und der Schrecken aller kleineren Fische, über die er wie der Blitz fällt, wenn er, weil er Hunger spürt, aus der Tiefe emporsteigt, in welcher er, anscheinend leblos, seine Siesta hält. Die Freßlust des Huchen wird nicht leicht gestillt und fehlen ihm die kleinen Fische, geht er über große. Man kann ihn den Tiger unter den Raubfischen nennen, weil er erbarmungslos und mit Ausdauer sein Opfer verfolgt.“ Diese, für moderne Leser befremdlich anmutende Charakterisierung eines Raubfisches stammt aus dem 1882 erschienen Buch „Spaziergänge mit der Angel an der obern Donau“ von Jos Pfundheller. Was seine Zeilen mit dem Wissen moderner Angler über den Huchen gemein haben, wird aber schnell klar, denn im Grunde kennt kaum jemand von uns diesen Donaulachs; und deshalb eignet er sich so wunderbar für Übertreibungen und Ammengeschichten.

Blättert man in älterer und moderner Angelliteratur, so erkennt man leicht, dass Huchen seit jeher nur solchen Petrijüngern an die Haken gingen, die drei Eigenschaften in sich vereinen: Erstens müssen sie ihre Reviere wie die eigenen Westentaschen kennen, zweitens mit einer gehörigen Portion Mut und Abenteuerlust beseelt sein, denn Donaulachse beißen – glaubt man die Aussagen dieser Experten – am besten in bitterkalten Winternächten; und drittens handelt es sich bei Huchenanglern in der Regel um wortkarge Kauze, die fast nichts von ihrem Expertenwissen preisgeben und die – dies ist so gut wie selbstverständlich – ausschließlich mit Eigenbauködern fischen. Dass es sich bei diesen Eigenbauten um sogenannte Huchenzöpfe handelt, die aus einem Bündel von Bachneunaugen an einem Bleikopf mit Drilling gebunden werden, macht die Fischwaid noch nebulöser, schließlich sind Neunaugen in in unserer modernen Umwelt alles andere als reich vertreten.

Der Blinkererfinder Dr. Karl Heintz mit einer von ihm an einem ein einzigen Tag gefangenen Huchenstrecke.

Fisch für Revierkenner

Im Grunde bedurfte es aber nie übertriebener Geheiminskrämerei, denn die Fische waren schon immer rar. In der Fischereistatistik des Deutschen Reiches für das Jahr 1875 heißt es über ihr Verbreitungsgebiet: „Der Huchen hält sich theilweise im Hauptstrom der Donau, theilweise in den aus den Alpen kommenden Nebenflüssen derselben auf, und steigt zur Laichzeit (März, April, Mai) in diesen weiter hinauf. Aufgeführt ist der Huchen in der ganzen Donau von Württemberg (Ulm) bis Ungarn.“ Über die Gründe seines überschaubaren Verbreitungsgebietes wird sodann gemutmaßt: „ Die Verpflanzung des Huchens in die übrigen deutschen Ströme ist bisher noch nicht gelungen; die Eier sind äußerst empfindlich und sterben leicht ab, zudem finden gerade zur Zeit ihrer Entwicklung häufige Temperaturveränderungen statt, indem der Huchen, wie erwähnt, im Frühjahr laicht.“

Befischte man eine huchenträchtige Strecke, war der Fangerfolg noch lange nicht in Wurfweite, denn die Fische gelten als scheu und wählerisch, sodass sie mit dem recht einfachen Spinngerät des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts recht schwer zu überlisten waren. Außerdem bevorzugten sie in den damals noch unbegradigten Flüssen Gumpen und tiefe Rinnen, die für Watangler schwer zu erreichen waren. Da die Huchenfischwaid traditionell im Winter betrieben wurde, waren die abgehärteten Angler nicht nur der Kälte, sondern auch handfesten technische Problemen ausgesetzt, die sich laut Pfundheller wie folgt darstellten: ,,Ein,,Naßwerden“ des Rades Deiner Angelruthe ist fast niemals zu vermeiden. Was ist die Folge davon? Das naßgewordene Rad friert ein und versagt den Dienst. Aehnlich ergeht es den Ringen an der Ruthe, die sich durch Kälte und Nässe mehr und mehr verengen. Endlich überzieht sich auch die Schnur mit Eis und wird für sie allmälig der nothwendige Spielraum verloren und, indem solches eintritt, gibt es Hemmnisse auf allen Seiten. Schließlich friert, wenn nicht schon der Angler, so doch sein Spinnzeug ein und muß einige Male im Tage ausgeeiset werden.“ Angesichts solcher Schwierigkeiten ist es heute kaum mehr vorstellbar, dass unsere Ur-Ur-Großväter in den damals noch sauberen Gewässern in jeder Saison zahlreiche Kapitale auf die Schuppen legten.

 

Ein Huchenzopf aus Gummistreifen, wie er Anfang der 1930er Jahre im Angelgerätfachhandel angeboten und in Katalogen beworben wurde.

Frühe Praxistipps

Hatte ein Huchen sich aber einmal einen Köder geschnappt, mussten Spinnfischer wenig Angst vor Aussteigern haben. Pfundheller erläuterte weiter:

Nachdem der Huchen in der Regel sich gut und tief fängt, ist sein Loswerden vom Angelhaken nicht leicht zu fürchten. Der eigentliche Kampf mit ihm beginnt erst, hat er gemerkt, daß es um seine Freiheit geschehen sei. Ein erfahrener Huchenfänger wird sich sodann hüten, den Huchen zu früh an sich zu ziehen, besonders wenn dieser stark sein sollte. Er wird ihm vielmehr Kreuz- und Quersprünge gestatten, jedoch ihn fortan in federnder Bewegung erhalten. Zeigt sich endlich der matt gewordene Fisch, auf der Seite liegend, am Wasserspiegel, ist der Moment da, sein, Landen zu bewerkstelligen.“

Doch machte hier wohl auch Übung den Meister. Der bis heute unbestrittene Huchenkönig ist wohl der Angelpapst Dr. Karl Heintz. Er soll im Laufe seiner Karriere in den Flüssen Lech, Inn, Iller, Isar, Ammer, Amper und Wertach rund 800 Huchen gefangen haben. Heintz gelang diese beeindruckende Bilanz aufgrund seiner guten Kontakte zu Adligen und Großindustrien, die ihn an exklusiven Privatstrecken fischen ließen, wo die Fänge mehrerer Huchen an einem Tage keine Seltenheit waren. In seinen Aufzeichnungen finden sich heute kaum mehr vorstellbare Erinnerungen, wie beispielsweise diese an den ersten Test des Prototypen seines später legendären „Heintz-Blinkers“ im Jahre 1903: „Beim ersten Versuch erlebte ich am 1. Oktober des gleichen Jahres damit die Freunde, bei ganz ungünstigen Witterungs- und Wasserverhältnissen noch vor Beginn der eigentlichen Saison in der Iller zwei schwere Kameraden von 25 und 30 Pfund Gewicht zu fangen, von denen mir der schwere tags zuvor bereits an einem natürlichen Köder abgekommen war.“ Ob dieser natürliche Köder ein Huchenzopf aus Neunaugen oder bereits ein Modell aus Gummi-Neunaugen war, ließ der innovative Blinkererfinder offen.  Élieser 

Zum Beitragsbild: Es stammt aus Marcus Elieser Blochs Werk „Naturgeschichte der Fische Deutschlands“.

 

Wissenswertes zum Huchen

Durch Gewässerverbau (Begradigungen, Wehre, Staustufen etc.) war der Huchenbestand seit Beginn des 20. Jahrhunderts stark rückläufig. Erst seit den 1990er-Jahren haben Bemühungen zu seinem Erhalt und zu seiner Stärkung eingesetzt, die allmählich Früchte zu tragen beginnen. Das Verbreitungsgebiet des Huchens hat sich so durch (oft von Anglervereinen getragene) Besatzmaßnahmen in den vergangenen Jahrzehnten vergrößert. Er kommt heute (noch bzw. wieder) in Österreich, der Slowakei, Tschechien und einigen Flüssen Polens der Schweiz sowie Bayerns vor.

Ernährung: Huchen fressen ausschließlich andere Fische. Junge Huchen ernähren sich vor allem von Fischbrut, kleineren Krebsen sowie Insektenlarven, weshalb sie oft beim Fliegenfischen gefangen und mit jungen Bachforellen verwechselt werden.

Fortpflanzung: Die Laichzeit fällt in die Monate März und April, womit der Huchen zu den absoluten Spätlaichern unter den Salmoniden zählt. Die Milchner entwickeln zur Laichzeit einen sogenannten Laichhaken an ihren Unterkiefern. Zur Eiablage und Befruchtung suchen die Fiche oft kleinere Nebenflüsse und Bäche auf. Doch kann von einer echten Laichwanderung keine Rede sein. Die Rogner graben Laichgruben in den Kies des Gewässergrundes und legen dort ihre Eier ab, die augenblicklich von den Milchnern befruchtet werden. Nach rund 35 Tagen schlüpfen die jungen Huchen.

Wachstum: Huchen wachsen zu wahren Großsalmoniden heran. Im zweiten Lebensjahr erreichen sie eine Länge von 15 Zentimetern und sind dann reine Raubfische. Huchen können eine Länge von 160 Zentimetern bei einem Gewicht von 50 Kilogramm erreichen. Der Durchschnitt der (wenigen) von Anglern gefangen Fische liegt bei 70 Zentimetern bis einem Meter.

Noch immer gilt der Ende des 19. Jahrhunderts gefangene Riesenhuchen aus der Donau bei Städtchen Tulln in Österreich als inoffizieller Weltrekordfisch. Er soll bei einer Länge von 175 Zentimetern 52 Kilogramm auf die Waage gebracht haben.

Verwechslungsgefahren: Da Huchen ihren Lebensraum mit Bachsaiblingen, Bachforellen sowie mitunter auch Regenbogenforellen teilen, besteht eine Verwechslungsgefahr durch Angler, die dann viel zu kleine Fische entnehmen und und zu einer weiteren Gefährdung der knappen Beständen (unwissentlich) beitragen. Von den drei genannten Salmonidenarten unterscheidet sich der Huchen durch seinen dreh-runden Körperbau sowie den langgestreckten und abgeflachten Kopf. Sine Flossen tragen einen weiß-grauen Saum. Außerdem „fehlen“ ihm rote Färbungen.

Fangmethoden: Aufgrund ihrer räuberischen Lebensweise werden Huchen fast ausschließlich beim Spinnfischen und nur selten beim Fliegenfischen (dann mit Streamern) gefangen.

Gerät: Da Huchen sehr wehrhafte Fische sind, kommt nur eine mittelschwere bis schwere Spinnausrüstung in Betracht. Rollen der Größen 3000 bis 4000, gefüllt mit einer 0,20er Geflechtschnur sind genau richtig. Wer den Fischen mit Streamern auf die Schuppen rücken möchte, sollte mindestens eine Ausrüstung der Klasse 7 bis 9 wählen.

Köder: Neben den im Artikel vorgestellten Huchenzöpfen, kommen heute hauptsächlich Gummifische und andere twisterartige Weichplastikköder zum Einsatz, die im Falle ihrer Verluste durch Hänger am Gewässergrund zu einer weiteren Beeinträchtigung der Lebensräume von Huchen beitragen. Wer sich darauf versteht, kann auch zu Köderfischen am Spinnsystem greifen.

Standplätze: Huchen bevorzugen die tiefen und sauerstoffreichen Abschnitte der Fließgewässer und nehmen gern hinter Felsen oder ins Wasser gestürzten Bäumen ihren Unterstand.

Fangzeiten: Glaubt man den Aussagen erfahrener Huchenangler, so beißen die Fische am besten in bitterkalten Vollmondnächten zwischen Dezember und Februar. Wie bei anderen Großfischen (z.B. dem Waller) ist bei Fragen der Angelei aber sehr viel Anglerlatein im Umlauf.

 

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