Waller – Fisch des Jahres 2026
Der Waller ist Fisch des Jahres 2026. Eine durchaus bemerkenswerte Wahl
Die meisten Menschen lassen Fische kalt. Geht es aber um den Waller, so erhitzen sich die Gemüter rasch. Als nachtaktiver und sagenumwobener Raubfisch polarisiert er seit Jahrhunderten. Dies ist nicht erstaunlich, denn die Ausmaße erwachsener Exemplare bieten mit Längen von über drei Metern gewaltige Projektionsflächen für allerlei Mythen, Fantasien und Ängste. Während Riesenwaller Badegäste das Fürchten lehren, erfüllen sie immer mehr Petrijüngern den langgehegten Wunsch vom gefangenen Traumfisch. Dazu muss kein Angler mehr in in die Ferne schweifen. Welse schwimmen längst nicht mehr allein in der legendären blauen Donau und ihren Nebenflüssen, sondern sind längst in fast jedem unserer Flüsse, Seen, Teiche und Kanäle zuhause.
Waren ihre gelegentlichen Sichtungen und Fänge früher viel bestaunte Ausnahmen, so haben sie zum Millennium ihre Jagdgründe in den Tiefen verlassen und sind ans Licht der Öffentlichkeit geschwommen, wo sie immer häufiger als angeblich Schwäne und Hunde verschlingende Ungeheuer in den sommerlöchrigen Schlagzeilen der Boulevardpresse auftauchen und für Schrecken sorgen.
War der Wels vor drei Jahrzehnten noch ein Unbekannter, so ist er heute in aller Munde, denn täglich werden immer mehr und immer größere Waller gefangen. Anders als in Deutschland und Österreich, wo Fischer und Forscher ihre Zahl nur schätzen können, haben die akkuraten Schweizer belegbare Werte erhoben. Laut dem Eidgenössischen Bundesamt für Statistik wurden im Jahre 2023 dort 7667 Welse gefangen, 15 mal mehr als noch 2003. Der Waller ist somit europaweit im unaufhaltsamen Kommen.
Diesen Fisch hat der Angelfischerei Verband zusammen mit der Gesellschaft für Ichthyologie und dem Bundesamt für Naturschutz zum Fisch des Jahres 2026 gewählt. Mit der Kür haben sie schon vor der Jahreswende eine Diskussion eröffnet, die durchaus erwartbar war, denn der Waller zählt beileibe nicht zu den gefährdeten Arten in unseren Gewässern.
Das enorme Medienecho auf die im Sommer 2025 abgefeuerten Schüsse am Brombachsee legt jedoch die Vermutung nahe, sie könnten mitursächlich für die Entscheidung gewesen sein. Anders als in den vergangen Jahren, als mit dem Aal (2025) und dem Kabeljau (2024) offensichtlich gefährdete Arten erkoren wurden, entschied man sich dieses Mal dafür, auch den Ruf einer Spezies zu schützen. In der Begründung liest man: „In den Medien wird der Wels häufig als gefährlicher Räuber dargestellt und erregt jedes Jahr aufs Neue großes öffentliches Interesse.“ Weiter heißt es in der Laudatio: „Der Wels zeigt exemplarisch, wie anpassungsfähig und ökologisch bedeutsam Fischarten in unseren Gewässern sein können.“ Und im Detail: „Auch wenn der Wels nach der bundesweiten Roten Liste der Süßwasserfische und Neunaugen als ungefährdet gilt, steht seine Ernennung zum Fisch des Jahres stellvertretend für die Bedeutung artenreicher und intakter Gewässerökosysteme, sowie für eine sachliche Auseinandersetzung mit dieser heimischen Art.“
Wenn die Wahl des Wallers zum Fisch des Jahres 2026 auch in der Sorge um die mentale Gesundheit mancher Mitmenschen getroffen wurde, die sich in der von ihnen bedrängten Natur nicht mehr angstfrei bewegen können, so besteht dennoch Hoffnung, denn Fisch macht bekanntlich schlau – dies gilt ganz besonders für das gesunde und wohlschmeckende Fleisch des Wallers.
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