Die besten Spots am Niederrhein.
Kein anderer Fluss wurde öfter besungen als Vater Rhein. Markus Bötefür stimmt in die Lobeshymnen ein und verrät, wie man am Unterlauf des vielbeschworenen Flusses tolle Fische fängt.
Schön ist es am Rhein zweifellos, sauberer ist der Fluss seit Ende der 1980er-Jahre auch. Dass man in ihm jede Menge Fische fangen kann, ist längst kein Geheimnis. Trotzdem scheuen sich viele Petrijünger, dort einen Versuch zu starten. Für die einen ist die Strömung zu stark, den anderen sind die Wassermassen zu groß, wieder andere stört der rege Schiffsverkehr, und für manche sind die Buhnenfelder ein Buch mit sieben Siegeln. All diese Faktoren sollten aber niemanden davon abhalten, einen Jahresschein zu erwerben und sich den Herausforderungen zu stellen. Schließlich ist der einzige Hemmschuh, der einer erfolgreichen Angelei im Wege stehen kann, derjenige, den man sich selbst schnürt. Und dies gilt am Rhein im wahrsten Sinne des Wortes, denn fußfaul darf an den weitläufigen Buhnenfeldern zwischen Duisburg und Emmerich niemand sein, der es mit der Spinnrute auf Zander, Rapfen, Barsche, Hechte oder Waller abgesehen hat. Allerdings ist das Spinnfischen nicht mehr so leicht wie zu Beginn der Zander-Gummiwelle Mitte der 1980er-Jahre.
Dicke Zander steigen meist erst nach Einbruch der Dunkelheit ein.
Sparsame Farben
Wer es mit gelben, roten und giftgrünen Twistern versucht, wird rasch frustriert, denn sowohl die Stachelritter als auch alle anderen Räuber haben sich zwischenzeitlich völlig auf bräunlich-graue Grundeln eingeschossen und sollten daher auch mit Gummiködern in entsprechend dezentem Design befischt werden. Obgleich auch Wobbler in den Buhnenfeldern zu den Top-Spinnködern zählen, sind aufgrund der von den Steinschüttungen ausgehenden Hängergefahr Gummifische mit intrigierten Bleigewichten (zum Beispiel Storm Wildeye) oft eine deutlich preiswertere Alternative; dies gilt besonders in den Abend- und Nachtstunden, wenn Zander und Rapfen dicht an den Buhnenköpfen rauben und man entsprechend ufernah angeln muss. Teure Wobbler sollten erst dann zum Einsatz kommen, wenn man sich mit den Strukturen eines Buhnenfeldes vertraut gemacht hat und weiß, wo welcher tonnenschwere Wobblerkiller liegt und lauert.
Tagsüber sind es meist mittelprächtige Stachelritter, wie dieser vom Rheinorange.
Tageslicht-Fänge
Wer nicht bis zum Einbruch der Dämmerung warten möchte, der kann auch tagsüber mit vielen Raubfischbissen rechnen, muss sich dann aber mit Barschen und Hechten „bescheiden“. Zu diesen Räubern gesellen sich seit gut zwei Jahrzehnten zwar auch Waller, doch sind die Bartelträger noch immer Zielfische für Spezialisten und werden nur von entsprechend vorbereiteten und gut ausgerüsteten Spinnangeln gehakt. Ansitzangler berichten immer öfter von Wallern, die mit ihren Aalmontagen kurzen Prozess machen, haben es bei diesen geheimnisvollen Unbekannten aber viel öfter mit Barben zu tun, die im Fluss ein Phantomdasein führen. Apropos Ansitzangeln: Wie viele andere Fließgewässer auch leidet der Rhein seit gut einem Jahrzehnt unter einer Grundelplage. Die gierigen Fressmaschinen haben das Weißfischangeln hier zu einem schwierigen Unterfangen gemacht, sodass Friedfischangeln tatsächlich zu einer Übung für echte Spezialisten geworden ist. Aber auch wenn für Ansitzangler die Trauben hoch hängen, müssen sie nicht verzweifeln. Statt vergeblich auf Rotaugen, Brassen oder Güstern zu hoffen, sollte man von vornherein auf Karpfen und Barben fischen und sich, auch wegen der kräftigen Strömung, mit einer Heavy-Feeder-Ausrüstung entsprechend wappnen. Beide Fischarten sind reichlich vertreten.
Barben- und Karpfentricks
Kissenförmige Boilies haben sich in den Buhnenfeldern an beiden Flussufern sehr gut bewährt und bringen in den Abend- und Nachtstunden zahlreiche Fische an den Haken. Tagsüber stecken die Barben jedoch in der Hauptströmung und lassen sich dann am besten mit maulgerechten Würfeln aus abgelagertem Holländer Käse fangen. Um den Käse auf den Haken ziehen zu können, ist es (fang-)entscheidend, die Würfel eine Nacht lang in Milch einzulegen. Wem diese Vorbereitungen zu aufwendig sind, der kann natürlich auch mit Käse-Teigmischungen fischen. Die anderswo so beliebten Maden sollten aufgrund des gehörigen Grundelappetits allerdings daheim im Kühlschrank bleiben.
Der Aalbestand im Rhein ist nach wie vor recht ordentlich. Von April bis Oktober kann man schöne Schlängler in den Buhnenfeldern fangen. Was für Maden gilt, trifft natürlich auch auf sämtliche Wurmsorten zu, so dass Aalangler sich eine Menge Grundelärger ersparen, wenn sie auf ihre geliebten Tauwürmer verzichten und stattdessen auf Köderfische oder Fetzen zurückgreifen. Zum Glück haben die Rheinaale Grundeln zum fressen gern, sodass die Quälgeister an 80 bis 100 Gramm schweren Grundmontagen serviert tatsächlich noch zu etwas nütze sind.
Gewässer-Check
Schonzeiten/Mindestmaße (cm): Zander 1.4.-31.5./40, Aal -/50, Karpfen -/35, Barsch -/- Erlaubnisscheine: 3-Tageskarten oder Generalschein (Jahresschein) berechtigen zum Befischen des Rheines in ganz Nordrhein-Westfalen. Generalschein 40 €, 3-Tageskarten: 12 €. Jugendliche, Rentner und Schwerbehinderte: Generalschein: 20 €. (Online jeweils zzgl. einer Bearbeitungsgebühr des Dienstleisters).
Ausgabestellen: Die Scheine sind normalerweise bei vielen Gerätehändlern der Region zu bekommen z. B. bei Angelsport Elsner, Niederstraße 40a, 46509 Xanten, Tel. 02801/9826995 oder bei Angel Hess, Paul-Esch-Straße 115, 47053 Duisburg, Tel. 0203/664185. Weitere Ausgabestellen auf www.rheinfischerei-nrw.de. Die Scheine gibt es auch online unter www.heijfish.de.
Bestimmungen: Gefischt werden darf mit zwei Ruten. Bootsangeln ist nicht gestattet. Pro Tag dürfen jeweils maximal drei Zander, Aale, Hechte, Karpfen sowie Forellen (Bach- und Regenbogen) entnommen werden.
Weitere Infos: Um am Rhein erfolgreich zu sein, ist es wichtig, den Pegelstand im Auge zu haben. Am besten beißen die Fische bei einem Wasserstand von Rund 3,5 Metern am Pegel Ruhrort bzw. 2,5 am Pegel Rees.. www.elwis.de
Ein paar gute Stellen habe ich hier aufgelistet:
Rechtsrheinisch
Ruhrmündung (Kilometer 780): Der Abschnitt am sog. Rheinorange ist zwar kein Geheimtipp mehr, aber noch immer eine recht gute Stelle für Spinn- und Ansitzangler. Nachts beleuchten hier die Industrieanlagen am gegenüberliegenden Ufer die Strecke.
Einfahrt zum sog. Eisenbahnbecken (Kilometer 781): Der Abschnitt an der Dammstraße ist in den Abendstunden immer einen Versuch auf Zander wert. Prinzipiell sind alle Einfahrten in den Duisburger Hafen gute Stellen.
Götterswickerhamm (Kilometer 800): Das Buhnenfeld zwischen dem alten STEAG Gelände in Möllen und dem Fähranleger in Götterswickerhamm beherbergt neben Zandern auch starke Aale und Welse.
Sandstrand Grietherort (Kilometer 845): Starke Strömung in Abwechslung mit ruhigen Passagen machen das Revier interessant. Tagsüber stehen die Zander und Rapfen meist an der Strömungskante, am Abend und in der Nacht kommen sie in Ufernähe und lassen sich gut mit Wobblern fangen.
Linksrheinisch
Duisburg-Homberg (Kilometer 780): Von den Parkplätzen auf der Wilhelmallee erreicht man zander- und rapfenträchtige Buhnen. Tagsüber sind Gummifische topp, nach Einbruch der Dunkelheit sollte mit flachlaufenden Wobblern am Fuße der Buhnen geangelt werden.
Baerler-Buhnenfeld (Kilometer 787): In Höhe des Duisburger Stadtteils Baerl prägen mächtige Buhnenfelder das Flussbild. Der Rhein ist hier relativ flach. Spinnangler sind daher gut beraten, nicht mit Gummifischen, sondern mit flachlaufenden Wobblern zu fischen. Fähre Orsoy (Kilometer793): Der Fähranleger Orsoy ist in stromauf- und stromabwärtiger Richtung ein guter Raubfischplatz. Neben Zandern lassen sich hier mitunter auch Waller fangen. Gummiköder und Wobbler können über dem sandigen bzw. kiesigen Grund sehr langsam geführt werden.
Ober- bis Niedermörmter (Kilometer 833-838): Die sandigen Buhnenfelder sind äußerst zanderträchtig. Die Stachelritter lassen sich am besten mit Twistern und Wobblern befischen.
Panzerstraße bei Grieth (Kilometer 845): Ein sehr großes Buhnenfeld mit Stillwasserzonen lädt im Kalkarer Ortsteil Grieth zum Naturköderangeln auf Zander und Aale ein. Tagsüber sind es meist mittelprächtige, wie dieser vom Rheinorange.