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Mit Grashüpfern, Fröschen und Wasserspinnen. Forellenangeln im 19. Jahrhundert

Bachforellen zählen seit eh und je zu den beliebtesten Zielfischen. Ihre Attraktivität beruhte schon vor 150 Jahren darin, dass sie unseren Großvätern einiges an Vorbereitung und Energie abverlangen.

Das Angeln wird in Deutschland noch für einen geistlosen Zeitvertreib und die Angel für ein Instrument gehalten, an dessen einem Ende sich ein Köder, am anderen eine Tagedieb befindet.“ Mit diesen Worten erläuterte der anonyme Autor des noch heute sehr lesenswerten Artikels „An strömenden Gebirgswässern“ im Mai 1873 den Lesern der Familienzeitschrift „Die Gartenlaube“ das gesellschaftliche Ansehen des damals noch jungen Angelsports im noch ebenso jungen Deutschen Kaiserreich. Dass der Verfasser jedoch eine ganz eigene Meinung zum Thema hatte, wird spätestens im zweiten Satz klar, denn er fuhr fort: „Dieses Urtheil hat einige Berechtigung, wenn jene Beschäftigung ohne Kunst und in stehenden oder ruhig fließenden Gewässern betrieben wird. Tritt man dagegen, mit allen Mitteln der Kunst ausgerüstet, durch Wissenschaft oder Erfahrung über die Eigenthümlichkeiten und die Natur des lebendigen Salmengeschlechtes belehrt, in einer reizenden Gebirgsgegend an ein lebhaft dahin rauschendes klares Gewässer und wirft hier, stromauf oder stromab wandernd, kunstgerecht seine Angel, so ist dies ein hohe Reize gewährendes Vergnügen und steht zu jener Tagedieb-Angelei in dem Verhältniß wie das Reiten auf einem feurigen Renner zu dem Hocken auf einem störrischen Esel.

Mit einfachstem Gerät

Das stromauf und stromab kunstgerechte Werfen der Angel sollte jedoch nicht mit dem schon damals erhältlichen Fliegenruten samt Rollen geschehen, sondern mittels einer einfachen Rute samt passender Schnur: „Das zu der angegebenen Art des Angelns erforderliche Instrument ist die Klitsche, auch Klitsch- oder Wurfangel genannt.[…] Dazu gehört zunächst der Angelstock, welcher ein Natur- oder Kunststock sein kann. Den ersteren schneidet man sich, wo Gelegenheit dazu ist, an Ort und Stelle und wählt dazu eine gerade gewachsene, möglichst leichte, dabei aber feste elastische Ruthe von neun bis zwölf Fuß Länge von Haselnuß, Hartriegel, Buche, Ahorn etc.“

Wer es Ende des 19. Jahrhunderts also auf Forellen abgesehen hatte, musste sich, fehlte ihm das nötige Geld für eine damals bereits erhältliche Bambusrute, zunächst als Baumschneider betätigen, was aber nur zur Not am Angeltag geschehen konnte, denn vor seinem Einsatz als Forellenrute musste ein selbstgeschnittener Ast eigentlich erst einer Spezialbehandlung unterzogen werden. Wie dies zu bewerkstelligen war, erfuhren Petrijünger im Buch „Das Ganze der Angelfischerei“ aus der Feder des Barons von Ehrenkreuz. Dort heißt es: „Man verschaffe sich eine Stange von geradem Wuchse, von etwa 10 bis 12 Fuß Länge. Diese Stange läßt man recht austrocknen, macht sie dann so dünn, als ohne ihre Stärke zu schaden ist, damit sie leicht in der Hand liege, und reibt sie mit heißem Leinöl und wollenem Lappen, damit sie stärker und zäher werde.

Hatte man sich den passenden Stock geschnitten, so fehlten nur noch Schnur, Haken und Köder, denn allzu kompliziert musste die Montage fürs Fischen in Bächen nicht ausfallen. Der Gartenlauben-Autor riet seinen Lesern: „Den Schwimmer (die Flosse, Kork oder Federkiel) läßt man bei dem Angeln auf Forellen am besten ganz weg; diese scheut sich davor, und in stark strömendem Wasser zeigt der Schwimmer ohnedies den Biß nicht an, da er durch den Strudel zu stark bewegt wird.“ Und auch bei der Auswahl der passenden Schnur konnte man diejenige verwenden, die gerade zur Hand war: „Die Leinen, aus welchen die Angelschnüre hergerichtet werden, sind aus Hanf, Seide oder Pferdehaar gefertigt. Die Länge der Schnur, inclusive Vorfach, ist für das gewöhnliche Auswerfen annähernd gleich der Länge des Stockes zu bemessen, so daß man, mit der rechten Hand den Stock haltend, mit der linken die angespannte Schnur über dem Haken faßt und dann, die Schnur loslassend, den Köder an die Stelle wirft, welche man sich ausersehen hat.

Natürliche Köder

Und es verstand sich für den an wilden Wassern fischenden Naturfreund selbstverständlich auch, seine Köder eigenhändig zu fangen und zu sammeln: „Unter den natürlichen Ködern für die hier in Betracht gezogenen Fischarten stehen die Heuschrecken (Grashüpfer) obenan. Dieselben sind vom Monat Juni an bis in den September hinein wohl überall auf trocknen Wiesen anzutreffen, und meist wird sich Gelegenheit bieten, sie auf dem Wege nach dem Angelplatz frisch einzufangen. Nächstdem sind folgende natürliche Köder zu empfehlen: kleine Fischchen, rohe Krebsschwänze oder Scheren ohne Schalen, ganz kleine Frösche, Wasserspinnen, große Mücken und bei trübem Wasser auch Regenwürmer, Mehlwürmer und große Maden.“

Und obwohl Schonzeiten und Mindestmaße noch längst nicht in den Gesetzbüchern standen, war es für den Forellenfreund eine Selbstverständlichkeit, den Fischen nur während der vom Waidmann dafür auserkorenen Saison nachzustellen: „Ein Dilettant, der unter Beachtung der vorstehend gegebenen, nach eigener Erfahrung aufgestellten Regeln seine Angeloperationen in den Monaten Mai bis inclusive September ausführt, kann sich eines lohnenden Erfolges versichert halten, wird diese angenehme Unterhaltung bald sehr lieb gewinnen und nach Schluß der Saison mit Sehnsucht dem Beginne der nächstjährigen entgegensehen.

(Die Abbildungen stammen aus französischen Büchern aus dem 19. Jahrhundert.)

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